Wie kalkuliere ich meinen Deckungsbeitrag

und warum ist dieser so wichtig?

Wie kalkuliere ich meinen Deckungsbeitrag

Autor: Ing. Alexander Kollin

Experten sprechen bereits von einer extremen Dichte an Gewerbetreibenden in ganz Europa. Sich selbstständig zu machen und sein eigenes Unternehmen zu gründen, ist heutzutage einfacher denn je. Doch wie viel muss man erwirtschaften, um nach den Fixkosten bzw. Strukturkosten wie Büro, Steuerberatung und beispielsweise Lizenzgebühren für verwendete Programme noch in den schwarzen Zahlen zu sein? Dafür braucht man den Deckungsbeitrag. Wie man den Deckungsbeitrag mittels Deckungsbeitragsrechnung berechnet, welche Arten es gibt, den Deckungsbeitrag zu berechnen und wieso der Deckungsbeitrag und die Deckungsbeitragsrechnung so wichtig für Ihr Unternehmen sind, habe ich Ihnen hier zusammengestellt.

Der Deckungsbeitrag, das UM und AUF eines Unternehmers

Kurz zum Gewerbeamt, zur Gewerbekammer, den Gewerbeschein lösen und schon kann es losgehen. Viele Arbeitsschritte übernehmen mittlerweile größere Onlineanbieter, sodass man kaum noch von seinem Gewerbe abgelenkt ist. Doch spätestens zum Zeitpunkt, an dem man seinen eigenen Businessplan schreibt, wird man vom Deckungsbeitrag hören und muss sich erst einmal mit dem Begriff des Deckungsbeitrages auseinandersetzen. Wie Sie den Deckungsbeitrag (DB) errechnen und wie wesentlich dieser Deckungsbeitrag auch für den Aufbau des ersten Mitarbeiters in Ihrem Unternehmen ist, erfahren Sie gleich nach einigen Grundlagen zum Deckungsbeitrag.

Was der Deckungsbetrag NICHT ist

Hier möchten wir gleich einen weitverbreiteten Denkfehler über den Deckungsbeitrag korrigieren. Der Deckungsbeitrag ist nämlich nicht wie gedacht, die Summe, die übrig bleibt, nachdem der Umsatz von den variablen Kosten und den Fixkosten abgezogen wurde. Der Deckungsbeitrag (kurz DB) ist ausschließlich dafür da, um zu errechnen, wie viel Reinerlös ein Produkt am Ende des Tages für Ihre Betriebskasse erwirtschaftet. Es geht also um die Antwort auf die Frage: Welche Stückzahl muss erreicht werden, um nicht nur die Deckung der Kosten, sondern auch einen Betriebsgewinn zu erzielen? Beim Deckungsbeitrag handelt es sich also um den Bruttogewinn eines Unternehmens, von dem danach noch die Strukturkosten beglichen werden müssen.

Was ist der Deckungsbeitrag?

Der Deckungsbeitrag ist also der Betrag, der überbleibt, nachdem alle Kosten, die zur Erzeugung eines Produktes oder einer Dienstleistung aufgewendet wurden, vom Umsatz abgezogen worden sind. Der Beitrag, der übrig bleibt, kann nun zur Deckung der übrigen Strukturkosten herangezogen werden. Bei den meisten Unternehmern ist es jedoch wichtig, nicht nur in den schwarzen Zahlen zu sein, sondern den Umsatz soweit anzukurbeln, dass man auch davon leben kann, bzw. seine privaten Fixkosten ebenfalls erwirtschaftet, um kostendeckend zu sein. Dazu gilt es, den sogenannten Break-even-Point zu überschreiten, also den Punkt, an dem sich die Summe der Deckungsbeiträge und die Summe der Ausgaben die Waage halten. Der Break-even-Point ist also dann erreicht, wenn die Absatzmenge der verkauften Leistungen ausreicht, dass Ihr Unternehmen Gewinne erzielen kann.

So berechnet man durch den Deckungsbeitrag das Betriebsergebnis

Noch viel wichtiger als der einzelne Deckungsbeitrag (DB) ist daher das Betriebsergebnis, denn erst durch das Betriebsergebnis lässt sich betriebswirtschaftlich entscheiden, ob und wenn ja, welche Produkte wirtschaftlich sind und welche Produkte nicht wirtschaftlich sind. Um das Betriebsergebnis für ein Produkt errechnen zu können, nimmt man nun den errechneten Deckungsbeitrag und zieht davon die für das Produkt zugeordneten Fixkosten ab. Dazu zählen die Kosten vom Mitarbeiter, der Miete, der Anschaffung von Maschinen, Lizenzgebühren für Software, Telefon und sogar die Kosten für das Internet. Wirklich alle fixen Kosten werden als Fixkosten kalkuliert. Daraus resultiert eine Summe, die im Idealfall im Vergleich zum Deckungsbeitrag positiv bzw. „schwarz“ ist.

Die Deckungsbeitragsrechnung

In der Deckungsbeitragsrechnung wird der Überschuss der Einzelerlöse zu den Einzelkosten einer erbrachten Leistung zueinander in ein Verhältnis gesetzt. Der Deckungsbeitrag ist also der Nettobeitrag, den eine verkaufte Leistung abzüglich ihrer Kosten zum Gewinn leistet, und bedeutet den Bruttogewinn für das Unternehmen. Die Bruttogewinne eines Unternehmens lassen sich also mit der Deckungsbeitragsrechnung berechnen. Im Grunde ist der Deckungsbeitrag ganz einfach zu berechnen.

Hier ein kleines Beispiel für die Berechnung des Deckungsbeitrags: Nehmen wir einmal an, Sie produzieren Tische. Der Verkaufspreis an den Endkunden abzüglich der Materialkosten wie Holz, Leim, Beschläge oder Lacke = der Deckungsbeitrag für das Unternehmen. Also wenn der Tisch 1.000 € kosten soll und 350 € für die Materialien verwendet werden, hat der Tisch einen DB von 650 €. Je nach Absatzmenge und Stückzahlen erhöht sich natürlich der Gesamtdeckungsbeitrag.

Die einfache Deckungsbeitragsrechnung
Bei der einfachen Deckungsbeitragsrechnung werden nacheinander der Stückdeckungsbeitrag für jedes Produkt, dann der Gesamtdeckungsbeitrag für jedes Produkt, anschließend der Deckungsbeitrag aller Produkte und schließlich das Betriebsergebnis ermittelt. Auch bei einem geringen Stückdeckungsbeitrag kann bei hohen Stückzahlen in Summe ein hoher Deckungsbeitrag herauskommen. Bei Stückzahlen unter dem Break-even-Point schreibt das Unternehmen rote Zahlen, bei Stückzahlen über dem Break-even-Point beginnt die Gewinnzone Ihres Unternehmens. Wenn der Bruttogewinn Ihres Unternehmens also mehr ausmacht als Ihre Strukturkosten, dann ergibt sich ein Nettogewinn Ihres Unternehmens.

Beim Stückdeckungsbeitrag wird der Produktpreis den Stückkosten gegenübergestellt. Der Gesamtdeckungsbeitrag stellt den Stückdeckungsbeitrag mal der Absatzmenge dar. Die Summe der Gesamtdeckungsbeiträge der gesamten Absatzmenge der einzelnen Produkte ergibt dann ganz einfach den Deckungsbeitrag aller Produkte. Abschließend wird dieser Gesamtdeckungsbeitrag der gesamten Absatzmenge den Fixkosten des Unternehmens gegenübergestellt. Im besten Falle ergibt sich aus dieser Rechnung ein Betriebsgewinn.

Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
In der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden die Fixkosten des Unternehmens weiter unterteilt. So können Sie noch detaillierte Einsichten in die Zahlen Ihres Unternehmens gewinnen und gute unternehmerische Entscheidungen treffen. Dabei werden die Fixkosten in Produktfixkosten, Produktgruppenfixkosten und Unternehmensfixkosten unterteilt. Außerdem können etwa die Gehälter Ihrer Mitarbeiter als eigene Untergruppen in die Rechnung miteinbezogen werden. Dies bringt uns auch schon zum nächsten Punkt: zu Ihren Mitarbeitern.

Warum neue Mitarbeiter meist abhängig vom Deckungsbeitrag sind?

Einen ersten Mitarbeiter einzustellen, ist meist ein genauso großer Schritt, wie den 20. Mitarbeiter einzustellen. Doch solche Entscheidungen sollten auf der Führungsebene nie aus emotionalen Beweggründen heraus getroffen werden. Auch wenn es hart klingt, aber betriebswirtschaftlich gesehen ist es vernünftig, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Trägt der neue Mitarbeiter dazu bei, die Deckungsbeiträge oder die Stückzahlen zu erhöhen?
     
  • Kann der Mitarbeiter auch wirklich das Betriebsergebnis verbessern oder mag ich diese Person einfach nur?

Genau hier kommt es leider sehr oft zu Fehlentscheidungen, die des Öfteren das betriebswirtschaftliche AUS bedeuten können. Natürlich sollte der erste Weg hier sein, gemeinsam mit dem Mitarbeiter Lösungen zu finden. Manchmal reicht ein klärendes Gespräch, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Dennoch gehören Mitarbeiterkosten genauso wie andere Kosten genau mit dem Deckungsbeitrag abgeglichen.

Das Fazit zum Deckungsbeitrag

Egal, ob Sie das eigene Unternehmen oder das eines anderen führen, machen Sie sich die Zahlen zum Freund und bauen Sie eine Affinität zu den Themen Deckungsbeitragsrechnung und Betriebsergebnis auf. Absatzmenge, Stückzahlen und Break-even-Point sollen für Sie vertraute Begriffe werden. Wie viel trägt ein einzelnes Produkt zur Deckung der Strukturkosten bei? Bei welcher Stückzahl erzielt das Unternehmen einen Betriebsgewinn? Das sind wesentliche Informationen, die es zu ermitteln gilt. Sicherlich zählen nicht immer die Zahlen der Deckungsbeitragsrechnung für den Erfolg Ihres Unternehmens, aber nur wer Herr der Zahlen ist, ist auch Herr der Lage.

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