Schulden, aber kein Geld am Firmenkonto

So kann man mit offenen Forderungen umgehen

Autor: Georg Rossek
Titelbild: Schulden, aber kein Geld am Firmenkonto

Befragt man einige Gewerbetreibende, welche bereits ein wenig länger als fünf Jahre tätig sind, ob es schon einmal zu Liquiditätsschwierigkeiten gekommen ist, bekommt man teilweise die spannendsten Geschichten zu hören.

Viele Firmenverantwortliche kennen die Situation, wenn man kein Geld mehr am Firmenkonto hat, und wissen, welche Methoden und Lösungsvorschläge funktionieren und welche nicht funktionieren. Wie man bei Zahlungsunfähigkeiten vorgehen kann, lernt man in vielen Ratgebern, Businessplan-Selbsthilfebüchern und teilweise auch schon in der Universität.

Schulden, aber kein Geld am Firmenkonto
 

Im realen Berufsleben sieht es bei der Kommunikation mit Lieferanten und offenen Forderungen jedoch in der Regel meist anders aus. Schließlich ist man in den seltensten Fällen Konzernverantwortlicher, sondern meist eher Chef eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens. Wie sollte man nun aber vorgehen, wenn es mit dem Geld einmal wieder etwas knapp ist und nach Auszahlung der Löhne bereits Ebbe in der Firmenkasse herrscht?


Mit diesen drei Tricks verschafft man sich Luft, wenn man kein Geld mehr hat

Die folgenden drei Tricks sind der gemeinsame Nenner vieler Gewerbetreibender und teilweise auch wirklich größerer Firmen, wie Konzernen.

Tipp 1 – Der Anruf

Es ist in der heutigen Businesswelt zwar kaum noch vorstellbar, zum Telefonhörer zu greifen, aber man kann „erfahreneren“ Hasen vertrauen, wenn diese vermehrt den Tipp geben, eine Firma direkt anzurufen, wenn es zu offenen Forderungen gekommen ist.
Der direkte Anruf und die daraus resultierende Auseinandersetzung mit der nicht ganz angenehmen Situation, vermittelt Klarheit, Offenheit und Ehrlichkeit. Je nach Summe und Grad der Beziehung kann man in einem Telefongespräch nun klären, warum es bis dato zu keiner Zahlung gekommen ist. Außerdem kann man darüber informieren, wann man vorhat, die offene Summe zu bezahlen und abklären, ob das zu diesen Bedingungen machbar ist. Bei dieser Lösung lässt sich leider nicht pauschal definieren, bei welchen Summen dies in der Regel fruchtet, aber erfahrungsgemäß sind Lösungen wie diese im unteren fünfstelligen Eurobereich an Forderungen meist möglich.

Tipp 2 – Das Zeitfenster

Dieser Artikel soll für Gewerbetreibende nützlich sein, wenn diese einmal einen negativen Zahlungsfluss haben. Wenn man dauerhaft mit Schulden zu kämpfen hat, empfiehlt sich meist nicht ein Artikel wie dieser, sondern ein klärendes Gespräch mit dem Steuerberater oder der Controlling-Abteilung. Kommt es seltener vor, kann man sich mit folgenden kleineren Tipps gewisse Zeitfenster schaffen. (Dies sollte definitiv nicht die Regel sein, da auch auf der anderen Seite Gehälter bezahlt werden müssen, etc.) Das strategische Erinnern einer Zahlung, mahnen lassen und kommunizieren, dass die/der zuständige Dame/Herr der Buchhaltung gerade auf Urlaub ist, aber die Forderung am Stichtag XY beglichen wird, kann in Notsituationen gerne einmal ein Zeitfenster von zwei bis fünf Wochen ergeben. Genügend Zeit, um bei seinen eigenen Forderungen Druck zu machen, um somit seine Lieferanten wiederum bezahlen zu können.

Tipp 3 – Die Ratenzahlung

Wenn sonst nichts mehr hilft, ist das Anbieten einer, für beide Seiten passenden Ratenzahlung immer zielführend. Hier sollte man dem Unternehmen eine kurze schriftliche Aufstellung schicken, aus der ersichtlich ist, wann mit welcher Summe zu rechnen ist. Durch diesen Tipp nimmt man der ganzen Sache ein wenig den Stress heraus und signalisiert ähnlich wie im ersten Tipp, dass man sich bereits Gedanken darüber gemacht hat, die Situation schnell zu klären.

Das Fazit, wenn kein Geld mehr am Firmenkonto ist

Alle Unternehmer kochen wie du und ich mit Wasser, was bedeuten soll, dass man in der Regel auf Offenheit und lösungsorientierte Personen trifft. Ist das Vis-à-vis bitterböse und droht die Situation zu eskalieren, sollte man den Kopf auch noch nicht in den Sand stecken. Wer schon einmal selbst einer offenen Zahlung per Inkassobüro nachgegangen ist, weiß, wie mühsam das ist und wie erfolgsversprechend das Einfordern solcher Zahlungen ist. Meist nämlich gleich null, außer, es gibt bereits ein eröffnetes Insolvenzverfahren. Also zusammengefasst sollte man das Problem nicht überbewerten aber natürlich sollten offene Forderungen nicht zu oft vorkommen, da dies für beide Seiten keine erfreuliche Situation ist.

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