Papierwahnsinn Registrierkasse

Jetzt gibt es die Rechnung nur noch auf Anfrage?

Autor: Georg Rossek
Titelbild: Papierwahnsinn Registrierkasse

Es ist bereits in aller Munde und in der Schweiz macht es die Lebensmittelkette Lidl bereits vor. Die Abschaffung des Kassabons kann nun auch bald in Österreich ein großes Thema werden.

In Österreich wurde jedoch erst die Registrierkassapflicht eingeführt, was für viele Wirtschaftstreibende nun einen Widerspruch ergibt. Thematisch wurde diese Aktion initialisiert, um eine große Menge an Papier einsparen zu können. Auch der einzelne kleine Kassenbon aus Thermopapier bedeutet in der Masse ein tonnenschweres Einsparungspotenzial. Ob dies aus Kostengründen oder aus nachhaltigen Gründen entstanden ist, ist hier jedoch noch unsicher.

Papierwahnsinn Registrierkasse
 

Papiereinsparungen nach der Registrierkasse?

Was diese Aktionen für den österreichischen Handel bedeuten, haben wir mit Frau Mag.Thalbauer (Geschäftsführung der WKÖ-Bundessparte Handel) besprochen.

FRAGE

Theoretisch ist nicht die Registrierkassenpflicht, sondern die Belegerteilungsverpflichtung die Schwierigkeit bei dem Verzicht einer Rechnung. Technisch ist es seitens der Hersteller bestimmt umsetzbar, den aktuellen Beleg auf Knopfdruck anfordern zu können. Sehen Sie hier weitere Schwierigkeiten aus österreichischer Sicht, neben der Belegerteilungsverpflichtung, die vorsieht, dass dem Kunden ein Beleg übergeben werden muss, welcher bis mindestens außerhalb der Geschäfte getragen wird?

ANTWORT

Grundsätzlich gibt es bei der Belegerteilungsverpflichtung zwei verschiedene Arten, welche zu unterscheiden sind. In der einen Verpflichtung ist der Geschäftsinhaber verpflichtet, dass der Kunde den Beleg entgegennimmt und bei sich trägt, bis mindestens nach Verlassen des Geschäftslokals. In der zweiten Variante gibt es die Möglichkeit, dass der Kunde den Beleg nicht möchte, dies jedoch schriftlich akzeptiert. Diese Erleichterung der Finanz dient unter anderem Betrieben, wie beispielsweise Schulbuffets, Eisgeschäften etc. Also überall dort, wo in kurzer Zeit sehr viele Kunden bedient werden. Hier wäre eine legale Methode, ein zum Kunden gedrehtes Display mit Bon-Drucker, wo der Kunde beispielsweise via Touch entscheiden kann, ob ein Bon gedruckt werden soll oder nicht. Durch das Nichtdrucken des Bons wurde der Kaufabschluss technisch festgehalten aber kein Bon gedruckt. Hier sind allerdings die Kassenhersteller gefragt.

FRAGE

Was denken Sie, von wo bzw. welcher Organisation dieses Thema aufgegriffen oder initialisiert wurde? Schließlich klingt es fast widersprüchlich, wenn ein Kaufhausriese wie Lidl den Papierwahnsinn anspricht, obwohl Geschäfte wie diese, alleine durch Werbeprospekte aus Papier deutlich höhere Mengen an Papier „verschwenden“, als durch Thermopapierbons erzeugt werden.

ANTWORT

Aus meiner Sicht gibt es hier keinen Zusammenhang, denn Unternehmen in diesen Größen wissen, wo es Möglichkeiten von Einsparungen gäbe und würden auch im Bereich der Werbeprospekte einsparen, wenn es nicht wirklich ein attraktiver Marketingkanal wäre. Es kann somit durchaus wirklich sein, dass der Denkanstoß von einem dieser Unternehmen gekommen ist.

FRAGE

Wäre es aus Ihrer Sicht denkbar, bei österreichischen Lebensmittelketten, wie beispielsweise der Rewe-Gruppe, eine Lösung anzudenken, in der Clubkarten-Mitglieder die Möglichkeit einer Rechnungslegung per E-Mail haben? Denn durch nicht registrierte Clubmitglieder wie Lidl oder Hofer ist der Aufwand der Migration inkl. dem Aufwand einer Clubkarten-Produktion sicherlich höher als die Papierersparnis von Thermopapier.

ANTWORT

Definitiv ja. Der Versand von Rechnungen per E-Mail ist bereits erlaubt und kann beispielsweise von innovativen Unternehmen, wie beispielsweise der Rewe-Gruppe, aufgegriffen werden. Leider ist im Einzelhandel die Kasse ein Nadelöhr, welches man nicht noch enger machen möchte, daher ist es sinnvoll, auf Lösungen seitens der Kassenanbieter oder seitens der Händler zu warten. Denkanstöße und mögliche Szenarien gibt es viele, eine realistisch umsetzbare vermutlich noch nicht.

FRAGE

Der direkte Umtausch oder die Gewährleistung, welche man seinen Kunden in Garantiefällen geben möchte, schränkt die Zielgruppe der papierlosen Firmen sicherlich ein. Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller, mit solch einer Umstellung bei Firmen zu starten, bei denen es nahezu keinen langfristigen Umtausch gibt, wie bei Restaurantketten? Schließlich sollte es bei Starbucks, McDonalds und Vapiano nahezu kaum nachträgliche Reklamationen geben.

ANTWORT

In den angeführten Bereichen wäre es durchaus wirklich sinnvoll, so manchen Betrieben voraus zu sein. Leider sieht der Weg vor, dass Änderungswünsche wie diese, aus der Wirtschaft heraus entstehen müssen und man somit nur als Ideengeber fungieren kann. Initiative müssen hier die Betriebe ergreifen.

FRAGE

Denken Sie, dass durch eine mögliche Umstellung, die Rate der Diebstähle in österreichischen Geschäften steigen könnte? Durch einen papierlosen Bezahlabschluss könnten Ladendiebe eine Chance sehen, nicht direkt kontrolliert werden zu können.

ANTWORT

Dies kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen bzw. wäre eine Antwort nur eine persönliche Meinung.

 

Die Meinung seitens des Bundesministeriums für Finanzen

Auch die Öffentlichkeitsarbeit des BMF war so freundlich und hat sich zu dem Interview geäußert.

ZITAT:

„Ob in Österreich die wirtschaftstreibenden Unternehmen, wie beispielsweise die genannten, dieses Thema aufgreifen werden, ist noch unklar, da von vielen Unternehmen meist 2/3 des Kassenbons für Aktionen und Informationen nützen und lediglich nur noch 1/3 des Bons das Rechtliche betrifft.“

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