Liebhaberei

Alles was man über die Liebhabereiverordnung wissen sollte

Autor: Georg Rossek
Titelbild: Liebhaberei

Was genau ist Liebhaberei und bei welchen Investitionen wird Liebhaberei am häufigsten unterstellt?

Liebhaberei kommt ursprünglich aus dem Steuerrecht und bedeutet per Definition, als Gewerbetreibender ohne Gewinn-erzielungsabsicht zu wirtschaften. Bedeutet also vereinfacht ausgedrückt, dass Liebhaberei wirtschaften ohne Gewinnabsicht ist.

Liebhaberei
 

Liebhaberei, was nun?

Liebhaberei ist im Steuerrecht nicht ganz so einfach auf den Punkt zu bringen. Die Definition ist im Grundsatz klar, aber ab wann es konkret Liebhaberei ist, kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein. In der Regel geht der Gesetzgeber von einem Zeitraum über mehrere Jahre aus. Wenn in diesem Zeitraum langfristig Verluste erzielt werden, wird von Liebhaberei ausgegangen. Ab wann oder bei welchen Verlusthöhen es konkret Liebhaberei ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Beim Erstellen von Rechnungen ist es als Wirtschaftstreibender und somit Steuerpflichtiger meist bereits etwas zu spät, um über Liebhaberei nachzudenken. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte man es im Idealfall nicht zu solch einer Situation kommen lassen. Ein gut geführtes Controlling sowie der wachsame Steuerberater sind in der Regel gute Garanten, um erst gar nicht in die Situation der vermuteten Liebhaberei zu kommen.

Mögliche Beispiele von Liebhaberei

Autor – Ein Autor hat zwei Immobilien zur gewerblichen Nutzung angemietet. Eine Immobilie dient zum Arbeiten an tagesaktuellen Themen und dem Empfangen von Kunden sowie dem Abhalten von Verlagsterminen. Die zweite Immobilie dient offiziell als Büro, um journalistisch und kreativ arbeiten zu können. Wenn dieses Büro nun über mehrere Jahre hinweg einen negativen Saldo erwirtschaftet, kann Liebhaberei recht rasch unterstellt werden.

Privatarzt – Als Arzt in bester Innenstadtlage eine Praxis zu betreiben, führt grundsätzlich noch nicht dazu, negativ zu wirtschaften. Baut man diese Immobilie stetig um und erneut laufend das Mobiliar, wird auch in diesem Fall bei ausbleibenden Gewinnen Liebhaberei in den Raum gestellt.
Die Beispiele sollen recht simpel erklären, dass die Ausgaben über einen längeren Zeitraum nicht höher sein sollen, als die Einnahmen und die dadurch resultierenden Gewinne.

WICHTIG – Auch wenn der Umstand einer Liebhaberei sicherlich kein angenehmer ist, gibt es hier einen durchaus interessanten Vorteil. Sofern nach einer definierten Frist wieder Gewinne erzielt werden können, sind diese bis zu einem weiteren definierten Zeitraum nicht steuerpflichtig. Dies ist jedoch lediglich bei einer bereits ausgesprochenen Liebhaberei der Fall. Durch diese Maßnahme erhofft sich der Gesetzgeber ein verändertes Wirtschaften seitens der Betriebswirte.

Liebhaberei – Einspruch möglich?

Selbstverständlich lässt sich bei einer seitens des Gesetzesgebers ausgesprochenen Liebhaberei, Einspruch erheben. Wenn das Geschäftsmodell bzw. eine dazu ersichtliche Prognosenrechnung (auch in Form eines Business-Plans) aufweist, dass nach einer kalkulierten Frist Gewinne erwirtschaftet werden, kann die in den Raum gestellte Liebhaberei erlöschen. Ob die sogenannte Anlaufphase von 3 bzw. 5 Jahren ausgedehnt werden darf, ist hier abzuklären.

Stand März 2017 - Österreich

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