Lehrlinge aufnehmen bringts

Warum es toll ist, Lehrlinge im Betrieb zu haben

Autor: Daniela Dersch & Andrea Ott
Titelbild: Lehrlinge aufnehmen

Viele Unternehmen schrecken davor zurück einen Lehrling aufzunehmen, weil die Meinung vorherrscht: einen Lehrling wird man schwer los wenn es nicht passt ODER der macht nur Arbeit ODER der Aufwand ist zu groß einen guten Lehrling zu finden. Alles Dinge die heute nur noch teilweise stimmen.

Ja das Auswahlverfahren um einen guten Lehrling zu finden ist schwer, aber es ist auf jeden Fall wert sich seinen zukünftigen Lehrling sehr gut anzusehen! Schließlich geht man eine Bindung für 3-4 Jahre ein und da sollte auch die Chemie stimmen. Ist das geschafft, muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen, wie bei einem Eltern-Kind Verhältnis. Es geht um einen Jugendlichen, der meistens noch keine Ahnung vom Berufsleben hat – woher auch. Deshalb ist es sehr wichtig, dem Lehrling an seinen ersten Tagen in der Arbeitswelt einen guten Start zu geben.

 

Führen Sie ihn/sie durch das Haus und zeigen Sie ihm/ihr alles, geben Sie Ihre Werte bzw. die Werte des Unternehmens weiter, weisen Sie auf Pünktlichkeit hin, erklären Sie wo er/sie sich melden soll, wenn er/sie krank wird usw. UND stellen Sie ihm/ihr alle Mitarbeiter vor. Denken Sie einfach an Ihren ersten Arbeitstag und wie Sie gerne empfangen geworden wären.
Wenn der Anfang getan ist, können Sie diesen jungen Menschen so „erziehen“ wie Sie es möchten und damit vielleicht Ihren besten Mitarbeiter finden. Deshalb ist es den Aufwand auf jeden Fall wert!

Aber zurück zum Anfang, denn zuerst müssen Sie einen Lehrling finden. Hier kann ich Ihnen die Lehrlingsstelle der WKO nur wärmstens empfehlen! Selten eine so kompetente Stelle gesehen, wo man wirklich gut beraten wird und alle Infos bekommt. Auch über die diversen Förderungen wird man informiert, wie und wo man die beantragen kann usw. Da könnten sich viele andere Abteilungen ein Scheibchen abschneiden.

Hier der Link zur Lehrlingsstelle: https://www.wko.at/service/bildung-lehre/start.html

Sie erfahren auch, welche Auflagen Sie als Ausbildungsbetrieb erfüllen müssen und welche Lehrberufe Sie ausbilden dürfen.

Bewerbungsverfahren

Eine Anzeige mit Ihren Anforderungen und der Beschreibung Ihres Unternehmens können Sie kostenlos über die Lehrlingsstelle bzw. das AMS (Arbeitsmarktservice) schalten. Einige Lehrberufe sind nach wie vor sehr beliebt, viele andere kennt man teilweise gar nicht. Schauen Sie mal nach, wie viele Lehrberufe es überhaupt gibt: https://www.bmwfw.gv.at/Berufsausbildung/LehrberufeInOesterreich/ListeDerLehrberufe/Seiten/liste.aspx?Char=A

Also je nach Beliebtheitsgrad des Lehrberufes werden Sie entsprechend viele Bewerbungen erhalten.

Bitte nehmen Sie sich Zeit um alle Bewerbungen durchzusehen. Denken Sie daran, dass hier noch keine Erfahrung vorhanden ist, oft schreiben die Eltern oder Freunde die Bewerbung. Also lassen Sie sich im ersten Moment von einem tollen Bewerbungsschreiben nicht zu sehr beeindrucken oder von einem schrecklichen abschrecken. Gewisse Umgangsformen können Sie allerdings beachten, das sagt schon mehr aus um eine Vorauswahl treffen zu können. Wenn im Mail nicht mal „MfG“ steht oder vielleicht sogar ein Massenmail mit Lebenslauf im Anhang kommt, können Sie von wenig Interesse ausgehen. Diese können Sie aussieben und auch gleich absagen. Bewerbungen die in Frage kommen, legen Sie sich auf die Seite und gehen diese dann nochmal in Ruhe durch um zu sehen, wen Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Bei größeren Betrieben zahlt sich auch ein Assessment Center für Lehrlings aus! Weitere Infos dazu: https://www.kingbill.com/cms/https://qualitaet-lehre.at/qualitaetsfaktoren/lehrlingsauswahl

Das Vorstellungsgespräch

Bereiten Sie sich gut vor, denn diese Vorstellungsgespräche werden anders laufen, als Sie es kennen. Überlegen Sie sich, wie Sie den Bewerber ansprechen. Es steht ein Jugendlicher vor Ihnen, also sagen Sie „DU“ oder „SIE“? Stellen Sie Wasser und Gläser bereit – bieten Sie keinen Kaffee oder eine Auswahl an Getränken an, damit überfordern Sie den Bewerber nur. Wählen Sie eine angenehme Umgebung aus, damit sich beide Seiten wohl fühlen.

Ist der Bewerber da, noch ein Tipp zum Ankommen: Lassen Sie den Bewerber nach der Begrüßung mal Platz nehmen und schenken Sie in Ruhe Wasser für alle ein, oder verlassen Sie überhaupt nochmal kurz den Raum. In dieser Zeit kann sich der Bewerber kurz umschauen und sich etwas mit der neuen Umgebung vertraut machen. Er ist vielleicht zum allerersten Mal in einer Firma! Dann führen Sie in Ruhe das Bewerbungsgespräch, rechnen Sie damit, dass Ihr Gegenüber sehr aufgeregt ist, vielleicht stottert oder sogar schwitzt – nehmen Sie ihm das nicht übel und weisen sie auch nicht unbedingt darauf hin. Viel wichtiger ist, ob der Bewerber etwas über die Firma weiß wo er sich gerade bewirbt, ist er neugierig und stellt Fragen oder hört er Ihnen gelangweilt zu. Treibt er Sport können Sie herausfinden, ob er eher Teamplayer oder Einzelkämpfer ist. Schauen Sie sich eher die Person genau an, alles für den Job bringen Sie ihm ja später noch bei.

Nützen Sie das Bewerbungsgespräch, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Geben Sie dem Bewerber ein klares Bild von den weiteren Schritten. Sagen Sie ihm wann Sie sich in welcher Form wieder bei ihm melden.

Schnuppertage oder Berufspraktische Tage

Wenn Sie nun den einen oder anderen Lehrling in die engere Auswahl genommen haben, empfehlen sich „Schnuppertage“ oder „Berufspraktische Tage“. Wir haben uns für die Schnuppertage entschieden um den Bewerber näher kennenzulernen. Aber auch der Jugendliche soll die Möglichkeit erhalten, einen Einblick in die Berufswelt zu bekommen.

Der erste Arbeitstag

Auch am ersten Arbeitstag ist es wichtig, den neuen Lehrling willkommen zu heißen. Ich denke fast jeder kann sich noch an seinen ersten Tag erinnern. Sie haben es in der Hand, welche Erinnerung Ihr Lehrling an seinen ersten Tag haben wird! Stellen Sie ihn nochmals allen Kollegen vor und geben Sie ihm Informationen in die Hand. Zeigen Sie ihm, wo WC und sein Arbeitsplatz ist und vor allem, geben Sie ihm eine Bezugsperson – vorzugsweise den Ausbildner.

Ich würde Ihnen auch empfehlen, die Eltern einzuladen. Einerseits damit die Eltern auch wissen, wo ihr Kind in Zukunft arbeiten wird und andererseits ist es nur von Vorteil, wenn man die Eltern persönlich kennt. Sollte es mal Schwierigkeiten geben, tut man sich so viel leichter.

Sie werden schnell merken, dass oft vieles erklärt werden muss, was für Sie ganz selbstverständlich ist. Aber durch das Erklären, werden Ihnen vielleicht viele Verbesserungen einfallen – alles Dinge, worüber man sonst nie nachdenken würden. Der junge Mensch bringt frischen Wind, hat vielleicht ganz andere Ansichten (Generation Y) als Sie und bringt damit Veränderung die sehr gut tun kann. Damit wird „das haben wir immer schon so gemacht“ sicher hinterfragt und vielleicht auch mal geändert.

Abgesehen davon ist es einfach schön zu sehen, wie sich Ihr Lehrling entwickelt – Sie sind hier schon ein bisschen Elternersatz – jeden Tag kann er ein bisschen mehr. Wenn er dann das erste Mal selbst mit einem Vorschlag kommt, haben Sie schon gewonnen. Sie können ihn auf Ihr Unternehmen prägen und vielleicht den besten Mitarbeiter heranziehen. Wenn er sich wohl fühlt, wird das sicher gelingen!

Wenn es nicht passt

Mittlerweile gibt es Wege, einen Lehrling wieder los zu werden, wenn es einfach nicht passt. Nach dem 1. und 2. Lehrjahr können Sie die Kündigung aussprechen. Der Lehrling selbst kann von sich aus jederzeit kündigen und die Lehre beenden. Mit einer einvernehmlichen Lösung kann das Lehrverhältnis während der gesamten Dauer aufgelöst werden.

Genaue Infos dazu finden Sie hier: https://www.wko.at/service/bildung-lehre/Vorzeitige_Aufloesung_eines_Lehrverhaeltnisses.html

Was gar nicht geht!

Ein Lehrling ist keine billige Arbeitskraft, die den Dienstboten für alle spielt! Es ist schon OK ihn mal zum Wurstsemmel kaufen zu schicken, aber das sollte nicht seine Hauptaufgabe sein. Überstunden sind unter 18 Jahren nicht erlaubt und es sollte auch weder körperliche noch verbale Gewalt angewendet werden.

Vorteile der Lehrlingsausbildung

Wir als Firma KingBill haben klare Vorteile durch die Entscheidung Lehrlinge aufzunehmen. Als erstes durften wir die Schulbank drücken und haben zu dritt die Ausbilderprüfung abgelegt. Wir haben dadurch sehr viel pädagogisches und rechtliches Hintergrundwissen mitgenommen und sind für die Ausbildung sehr gut gerüstet. Unsere Lehrlinge bringen frischen Wind ins Unternehmen. Die Kommunikation wird laufend optimiert, denn Arbeitsvorgänge/Spielregeln müssen klar kommuniziert werden. Es müssen auch Strukturen geschaffen werden um den Arbeitsalltag zu erleichtern. Unsere Lehrlinge erweitern somit auch unseren eigenen Horizont. Und last but not least bilden wir selbst unsere zukünftigen kompetenten Mitarbeiter aus.

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